Zur Anatomie des Ellbogens

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Bild 1

Das Ellbogengelenk ist auf den ersten Blick ein einfaches Scharniergelenk, genauer besehen hat es aber Besonderheiten, die an anderen Gelenken nicht zu finden sind. So besteht es aus drei Abschnitten: einem Scharnier zwischen Elle und Oberarm, einem weiteren Scharnier zwischen dem Speichenköpfchen und dem Oberarm und einem Drehgelenk zwischen Speiche und Elle (Bild 1). So werden im Ellbogen nicht nur Beuge- und Streckbewegungen, sondern auch die Umwendbewegungen des Unterarms ausgeführt. Um diese Bewegungen zu ermöglichen, bedarf es allerdings noch eines weiteren Drehgelenks, das sich handgelenksnah befindet.

Arthrose des Ellbogengelenks

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Bild 2

Diese ist sehr selten. Man sieht die Arthrose besonders bei Menschen, die über Jahre körperlich schwer gearbeitet haben wie auch nach jahrelangem Hochleistungssport. Relativ häufig entwickelt sich eine sekundäre Arthrose als Folge von schweren Knorpelschäden im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis (s. Rheumatherapie). Meist lässt sich die Ellbogenarthrose mit konservativen Maßnahmen behandeln. Hier kommen in erster Linie Spritzen ins Gelenk mit Cortison oder mit Hyaluronsäurepräparaten in Betracht (s. Arthrose). Falls dies nicht ausreicht, ist die Methode der Wahl der Gelenkersatz (Bild 2).

Der Tennisellbogen (Epicondylitis humeri radialis)

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Bild 3

Dieses Krankheitsbild spielt sich auf der Speichenseite des Ellbogens ab. Es handelt sich um einen schmerzhaften Reizzustand in dem Bereich, wo die Unterarmstreckmuskulatur am Knochen besfestigt ist (Bild 3). Wie der Name „Tennisellbogen“ besagt, treten diese Beschwerden häufig bei Tennisspielern auf und zwar infolge einer Überlastung beim Rückhandspiel. Der Tennisellbogen kann jedoch bei jedem auftreten.

Zur Behandlung gibt es eine Palette an konservativen Maßnahmen und auch operative Möglichkeiten.
Keine Behandlung ist jedoch in ihrer Wirksamkeit sehr erfolgreich (kaum mehr als 70 Prozent) und so muss man häufig experimentieren. Konservative Maßnahmen sind:

  • grundsätzliche Entlastung (sofern möglich, Bild 4). Hierbei muss man beim Heben von Gegenständen diese nicht von oben greifen, sondern von unten heben. Dies bedeutet, dass nicht die Unterarmstreckmuskeln, sondern die Beugemuskeln beansprucht werden und somit der schmerzhafte Bereich am Ellbogen entlastet wird.
  • entlastende Bandagen (Bild 5)
  • Injektionen mit einem Corstisonpräparat (hilft meist sehr gut, darf aber nicht häufig wiederholt werden).
  • Stoßwellentherapie. Diese besteht aus einer sehr energiereichen Ultraschallstrahlung.

Als operative Verfahren kommen in Betracht eine Entlastung durch Einkerbung der Unterarmstreckmuskulatur direkt unterhalb des Ellbogens (Operation nach Hohmann) und eine Durchtrennung der Nerven, die für die Schmerzempfindung zuständig sind (sog. Denervierung nach Wilhelm).

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Bild 4
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Bild 5

Der Golferellbogen (Epicondylitis humeri ulnaris)

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Bild 6

Der Golferellbogen tritt – wie der Name sagt – gehäuft bei Golfspielern auf, kann aber grundsätzlich bei jedem vorkommen. Es kommt hierbei zu Schmerzen auf der Ellenseite des Gelenks an der Anheftungsstelle der Unterarmbeugemuskulatur (Bild 6), also auf der Gegenseite des Tennisellbogens. Die Behandlung ist ähnlich wie beim Tennisellbogen, allerdings ist die Erfolgschance mit Bandagen und der Operation nach meiner Erfahrung geringer als beim Tennisellbogen.

Das Supinator-Syndrom

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Bild 7

Der Supinator ist ein Muskel, der den Unterarm nach außen dreht, d.h. supiniert. Durch diesen Muskel tritt der motorische Ast des Speichennervs in tiefere Gewebsschichten. Im Bereich seines Durchtritts besteht ein natürlicher Engpass, die Supinatorloge (Bild 7), in welchem es zu einer schmerzhaften Reizung des Nervs kommen kann, in schweren Fällen können als Folge sogar Muskellähmungen auftreten. Es besteht ein unangenehmer Druckschmerz einige Zentimeter unterhalb des speichenseitigen Oberarmknochens (Epicondylus radialis). Die schmerzhafte Reizung wird oft mit einem Tennisellbogen verwechselt, tritt gelegentlich aber auch mit ihm zusammen auf. Die Behandlung kann bei geringer Ausprägung durch Injektion eines abschwellenden Medikaments (eines Cortisonpräparats) erfolgen. Ansonsten kann eine Operation Abhilfe schaffen, indem der Engpass, die Supinatorloge, erweitert wird.

Das Ulnarisrinnen-Syndrom

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Bild 8

Hierbei handelt es sich um einen Reizzustand am Ellennerv (nervus ulnaris) im Bereich der Ulnarisrinne (Bild 8). Dort besteht ein natürlicher Engpass des Nervs. Zudem liegt der Nerv dicht unter der Hautoberfläche und ist somit relativ wenig geschützt. Die bekannte Bezeichnung dieses Bereichs lautet „Musikknochen“. Der Ellennerv ist in der Ulnarisrinne also anfällig für mechanische Irritationen (starke Belastung des Arms, Prellungen etc.). Nicht selten ist eine eindeutige Ursache der Nervenreizung jedoch nicht zu finden.

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Bild 9

Da der Nerv für das Gefühl und das Schmerzempfinden des Kleinfingers und der ellenseitigen Hälfte des Ringfingers zuständig ist (Bild 9), kommt es bei einer stärkeren Irritation dort zu einem Taubheitsgefühl und zur Verminderung des Schmerzempfindens. Bei stärkerer Reizung kommt es auch zur Lähmung einiger Handmuskeln, insbesondere der Handbinnenmuskeln, was sich dadurch äußert, dass die Hand wie abgemagert aussieht. Bei starker Ausprägung der Beschwerden, insbesondere wenn Zeichen einer Nervenlähmung vorliegen, muss chirurgisch behandelt werden. Dabei wird der Nerv aus der Ulnarisrinne herausgelöst, nach vorne verlagert und dort in Weichteilgewebe eingebettet, wodurch sich die Nervenirritation meist zurückbildet.

Schleimbeutelentzündung (Bursitis olecrani)

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Bild 10

An der Streckseite des Ellbogens liegt der Ellenhaken, der Olecranon, eine Stelle, die sehr exponiert ist. Direkt darunter befindet sich ein Schleimbeutel, die Bursa olecrani (Bild 10), die sich nicht selten entzündet, zum Beispiel nach einem Sturz auf den Ellbogen. Hier helfen im akuten Zustand oft schmerzlindernde und entzündungshemmende Salben. Auch eine Cortisoninjektion ist meist hilfreich. Falls sich hierdurch keine Besserung einstellt, muss man den Schleimbeutel operativ entfernen.