Symptome, konservative und operative Therapie der Fingerarthrose

Die eigentliche Bezeichnung der Arthrose der Fingergelenke ist "Fingerpolyarthrose". "Poly" (aus dem Griechischen: "viel") deshalb, weil fast immer mehrere Gelenke betroffen sind. Diese Arthrose gehört zu den häufigsten Arthrosen überhaupt (Bild 14). Der Befall der Endgelenke wird nach dem britischen Arzt Heberden (Heberdenarhtrose), die der Mittelgelenke nach dem Franzosen Bouchard (Bouchardarthrose) benannt. Besonders die Heberdenarthrose wird nicht selten als Gicht und die Arthrose von Mittel- und Endgelenken als „rheumatisch“ fehlgedeutet. Unter rheumatisch im engeren Sinne versteht man aber eine entzündliche und nicht eine verschleißbedingte Gelenkerkrankung (s. auch „Rheumatherapie“). Die Arthrose ist wohl gemerkt primär ein Verschleiß des Gelenkknorpels (s. Arthrosetherapie). Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch Erhöhung der Harnsäure bedingt ist. So häufig die Fingergelenksarthrose ist, so selten macht sie wirklich starke Beschwerden, die behandlungsbedürtig sind.

Bei der Suche nach einer Therapie erhalten die Patienten fast immer die Auskunft, sie müßten mit ihren Beschwerden leben, man könne da nichts machen. Die Kenntnis der Behandlungsmöglichkeiten dieser Ekrankung ist also nicht sehr verbreitet.

Bei geringen und mäßigen Beschwerden helfen oft Wärmeanwendungen sehr gut (z.B. warme Handbäder). Auch Akupunktur wirkt sehr häufig schmerzlindernd und ist als Schmerztherapie sicher der Einnahme von Medikamenten vorzuziehen. An örtlichen Maßnahmen sind Spritzen ins Gelenk mit Cortison oder einem radioaktiven Stoff (sog. Radiosynoviorthese) sehr wirksam. An den Endgelenken ist eine Spritzenbehandlung jedoch technisch schwierig und für den Patienten oft sehr unangenehm. An operativen Behandlungen kommt an den Endgelenken eine Versteifung (Arthrodese) in Betracht. Anders als gemeinhin angenommen, führt diese Therapie nicht zu einer nennenswerten Funktionseinschränkung. Im Gegenteil: Durch Beseitigung der Schmerzen ist die Hand viel besser belastbar. Bei der Operation der Bouchardarthrose ist die Versteifung des Mittelgelenks ebenfalls ein bewährtes Verfahren. Die Funktion ist hierbei gering beeinträchtigt, was viele Menschen aufgrund der Schmerzbefreiung als nicht störend empfinden. Grundsätzlích ist es aber heute auch gut machbar, ein Fingermittelgelenk durch eine Endoprothese zu ersetzen (Bild 15). Diese Endoprothesen werden ohne Zement im Knochen verankert und sind – wie heute alle zementfreien Endoprothesen – aus Titan gefertigt. Endoprothesen, die mit Zement befestigt werden, haben sich an der Hand generell nicht bewährt.

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Bild 14
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Bild 15

Arthrose der Fingergrundgelenke

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Bild 16

Die Arthrose der Grundgelenke ist viel seltener als die der übrigen Fingergelenke, jedoch meistens relativ schmerzhaft. Im Zusammenhang mit einer speziellen Stoffwechselerkrankung, einer Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) kommen Arthrosen der Grundgelenke des Zeige- und Mittelfingers relativ häufig vor. Die Hämochromatose ist allerdings eine seltene Erkrankung. Die konservative Therapie unterscheidet sich nicht von der bei Arthrose der Mittel- und Endgelenke. Operativ macht nur der Gelenkersatz einen Sinn. Auch hier ist eine Endoprothese, die aus Titan gefertigt ist und die ohne Zement im Knochen verankert wird, am besten (Bild 16).