Fußerkrankungen

Anatomie des Fußes

Die Anatomie des Fußes ist der der Hand ähnlich. Es besteht fast dieselbe Zahl an Knochen, Gelenken, Muskeln und Sehnen (Bild 1 und 2). Allerdings bleibt die Differenziertheit bezüglich der Sensibilität und der Motorik weit hinter der der Hand zurück. Auch ist die Form der Zehen nicht geeignet, den Fuß zu einem der Hand vergleichbaren Greiforgan zu machen. Das soll er auch nicht, schließlich haben die Füße die Aufgabe, uns zu tragen.
Der Fuß lässt sich gliedern in die Fußwurzel, den Mittelfuß und den Zehenbereich (Bild 1). Wichtige Merkmale des Fußes sind die Fußgewölbe (Bild 3), deren Veränderung zu charakteristischen Fehlformen und Beschwerden am Fuß führen.

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Bild 1
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Bild 2
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Bild 3

Fußchirurgie

Ähnlich der Handchirurgie hat sich eine spezielle Chirurgie des Fußes entwickelt. Das chirurgische Vorgehen am Fuß erfordert aufgrund der Vielzahl an anatomischen Strukturen, die sich auf kleinem Raum befinden, eine ähnliche Präzision wie an der Hand. So sagt man auch, dass „Fußchirurgie“ „Handchirurgie“ sei.

Im Folgenden führe ich Ihnen einige häufige Fußerkrankungen und deren Behandlung vor Augen

Fehlformen des Fußes

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Bild 4
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Bild 5

Die häufigsten Fehlformen des Fußes sind der Spreizfuß (Bild 4) und der Senkfuß (Bild 5), die meist kombiniert vorkommen.

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Bild 6
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Bild 7

Beim Spreizfuß ist typischerweise das Fußquergewölbe, beim Senkfuß das Längsgewölbe abgeflacht. Beide treten wiederum überwiegend im Zusammenhang mit einem Knickfuß auf (Bild 6). Die Extremform eines Senkfußes ist der Plattfuß. Ein Hohlfuß (Bild 7) ist eher selten.

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Folgen des Spreizfußes können der Hallux valgus, Krallen- und Hammerzehen und Belastungsschmerzen im Bereich der Mittelfußköpfchen (sogen. Metatarsalgie) mit Schwielenbildung sein (Bild 8).

Veränderungen des oberen Sprunggelenks

Das obere Sprunggelenk (Bild 9) ist das Verbindungsglied zwischen Fuß und Unterschenkel und gehört streng genommen nicht mehr zum Fuß. Der Verschleiß dieses Gelenks, die Sprunggelenkarthrose, ist zwar nicht so häufig wie die Arthrose an Hüfte oder Knie, aber eine wichtige und ernstzunehmende Störung, zumal sie in der Regel sehr schmerzhaft ist. Die Arthrose ist relativ oft Folge einer Jahre zurückliegenden Verletzung (Sprunggelenksfraktur). Nicht selten ist sie aber auch Folge einer Arthritis im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis (s. Rheumatherapie), seltener ist die Arthrose Folge einer Bandinstabilität oder einer umschriebenen Durchblutungsstörung am Sprungbein im Jugendalter (sog. Osteochondrosis dissecans). Bei einer schweren schmerzhaften Arthrose kommen zunächst konservative Behandlungen in Betracht:

  1. Eine Veränderung der Schuhsohle (sog. Mittelfußrolle, Bild 10), um die Abrollbewegung des Fußes zu erleichtern, wodurch die Belastung des Sprunggelenks und dadurch die Schmerzen deutlich zurückgehen.
  2. Bei unzureichender Wirkung kann ein orthopädischer Schuh gefertigt werden, der das obere Sprunggelenk zusätzlich stabilisiert.
  3. Injektionen ins obere Sprunggelenk: Ähnlich wie bei der Arthrose anderer Gelenke (s. Arthrose) kann auch hier eine entzündungshemmende Therapie durchgeführt werden. In Betracht kommen Cortisonpräparate oder Mittel, die die Gelenkschmierung verbessern (Hyaluronsäure), wodurch der Reizzustand und damit die Schmerzen zurückgehen.
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Bild 9
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Bild 10

Führen konservative Maßnahmen nicht zum Ziel, kann mit großer Erfolgsaussicht operiert werden:

  1. Eine arthroskopische Therapie kommt in Betracht bei einer Arthrose im Frühstadium (s. Arthroskopische Operationen). Ziel ist dann, den Knorpel zu glätten oder anzubohren (wodurch Ersatzknorpel entstehen kann) oder Unebenheiten zu entfernen. Außerdem kann die Gelenkinnenhaut entfernt werden, wodurch die schmerzhafte Entzündung schnell zurückgeht.
  2. Bei einer massiven Arthrose kann das obere Sprunggelenk durch eine Endoprothese ersetzt werden (Bild 11). Heutzutage sollten die künstlichen Gelenke aus Titan bestehen, wodurch eine dauerhafte Verankerung im Knochen ermöglicht wird (s. Endoprothetik). Endoprothesen dagegen, die mit Zement verankert werden, lockern sich am Sprunggelenk fast immer.
  3. Alternative zum Gelenkersatz ist die Versteifung des oberen Sprunggelenks. Dies ist eine sichere Methode, um die Schmerzen zu beseitigen. Danach muss jedoch dauerhaft ein spezieller orthopäscher Schuh getragen werden, da die Abrollung des Fußes sonst nicht mehr möglich ist.
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Bild 11

Arthrose der Fußwurzel

Die Arthrose von Fußwurzelgelenken (Bild 12) ist relativ häufig. Die konservative Behandlung ist in mancher Hinsicht ähnlich der bei Arthrose des oberen Sprunggelenks:

  1. Abrollhilfe am Schuh (Mittelfußrolle, siehe oben)
  2. Eventuell orthopädischer Schuh
  3. Einlagen können helfen (anders als am oberen Sprunggelenk), um das Fußlängsgewölbe von unten zu stützen.

Die operative Therapie besteht ausschließlich in Versteifungsmaßnahmen (Arthrodesen). Diese sind äußerst effektiv (Bild 13). Die Befürchtung, dass dabei eine Beeinträchtigung der Funktion eintritt, vergleichbar einer Versteifung am oberen Sprunggelenk, ist unbegründet, was daran liegt, dass die Beweglichkeit der Fußwurzelgelenke naturgemäß gering ist und sich dadurch eine Versteifung kaum bemerkt macht.

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Bild 12
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Bild 13

Arthrose des Großzehengrundgelenks

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Bild 14

Die Arthrose des Großzehengrundgelenks (Bild 14) gehört zu den häufigsten Arthrosen (Link zu Arthrose). Sie führt meist zur Versteifung des Gelenks, weshalb die Bezeichnung „Hallux rigidus“ (steifer Großzeh) ein Synonym für Großzehengrundgelenksarthrose ist. Die konservative Therapie besteht in der Versorgung mit einer speziellen Einlage, einer sogen. Hallux-rigidus-Einlage, die Bewegungen im Großzehengrundgelenk verhindert. Sie muss mit einer Abrollhilfe kombiniert werden, einer sogen. Ballenrolle, da man sonst mit einer solchen orthopädischen Hilfe nicht gehen kann. Diese Behandlung ist mäßig erfolgreich.Zur operativen Behandlung des Hallux rigidus gibt es eine Reihe von Methoden: die Versteifung, eine Endoprothese oder die Arthroplastik. Ich wende fast ausschließlich die Arthroplastik an, da diese bei richtiger Anwendung zu sehr guten Ergebnissen führt.

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Bild 15

Die Operation besteht in einer Umformung des Gelenks, indem ein Stück vom Grundglied des Großzehs entfernt, die Randwülste beseitigt und ein Polster aus körpereigenem Gewebe zwischen Grundglied und Mittelfußköpfchen gelegt wird (Bild 15). Bei dieser Operationsmethode, die ich seit annähernd 25 Jahren anwende und immer wieder verbessert habe, wird also keinerlei Kunstmaterial verwendet. Bei dieser Operation wird ein Draht in Längsrichtung des Zehs eingebracht, der nach drei Wochen entfernt wird. Dies führt später zu einer besseren Gelenkstabilität. Die Zehenbeweglichkeit lässt sich dadurch wesentlich verbessern und die Schmerzen in aller Regel beseitigen. Ein kleiner Nachteil besteht darin, dass der Großzeh etwas an Länge verliert. Demgegenüber werden bei der Versteifung wohl die Schmerzen beseitigt, die Gelenkfunktion hat man jedoch definitiv aufgegeben, was speziell am Großzeh durchaus Nachteile hat (anders als an der Fußwurzel). Die Endoprothese am Großzehengrundgelenk führt nicht immer zu der Verbesserung der Beweglichkeit, die man sich erhofft. Zudem besteht eine nicht geringe Gefahr, dass sich das Gelenk lockert, da die Belastung dieses Gelenks erheblich ist im Vergleich zur Fläche der Prothesenverankerung, anders also als zum Beispiel am Hüftgelenk.

Der Spreizfuß

Die wohl häufigste Fußfehlform ist der Spreizfuß, der oft mit einem Senk- und Knickfuß kombiniert ist (Bild 4 und 6) und sich im Laufe des Lebens entwickeln kann. Folge eines Spreizfußes sind nicht selten Schmerzen und Schwielen, die unterhalb der Mittelfußköpfchen auftreten, weil dieser Bereich aufgrund einer Abflachung des Fußquergewölbes überlastet wird (Bild 8).

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Bild 16
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Bild 17

Meistens reicht es aus, Einlagen zu verordnen (Bild 16). Zusätzlich ist eine Abrollhilfe im Vorfußbereich (sog. Ballenrolle, Bild 16) sehr hilfreich. Selten ist hier eine operative Behandlung notwendig. Eine OP zielt auf die Entlastung der schmerzhaften Mittelfußköpfchen ab. Bild 17 zeigt eine Methode, die ich entwickelt habe (in Abwandlung der Methode des englischen Chirurgen Helal) und die sehr sicher die Schmerzen beseitigt. Hierbei wird der Knochen neben dem Mittelfußköpfchen durchtrennt, Richtung Fußrücken verschoben und wieder befestigt, um so sicher zusammenwachsen zu können.

Der Morton´sche Mittelfußschmerz (Morton´sche Metatarsalgie)

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Bild 18

Die Schmerzen hierbei sind ähnlich wie beim Spreizfuß, bestehen genau betrachtet aber nur zwischen zwei Zehen und zwar meistens zwischen dem 3. und 4. Mittelfußköpfchen. Ganz anders als beim Spreizfuß liegt die Ursache aber in einer wulstigen Verdickung eines sensiblen Fußnervs, die Morton-Neurom genannt wird (Bild 18). Morton war ein englischer Fußchirurg. Unter einem Neurom versteht man eine wulstige, sehr schmerzempfindliche Nervenverdickung (normalerweise am Ende eines Nervs), die Folge einer Nervenverletzung ist. Die Ursache der Verdickung beim Morton-Neurom ist jedoch nicht bekannt. Nachweisbar ist diese Veränderung meist gut in einer Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie). Einlagen können versucht werden, helfen bei dieser Störung aber nicht sehr gut. Ebenso verhält es sich beim Versuch, den schmerzhaften Bereich mit Hilfe entzündungshemmender Mittel (Cortison) anzuspritzen. Die operative Therapie, wobei die Nervenwulstung entfernt wird, kann dagegen die Beschwerden fast immer beseitigen.

Der Krallen- und Hammerzeh

Als weitere Spreizfußfolge kann es zur Bildung von Krallenzehen, seltener auch von Hammerzehen kommen. Bei Krallenzehen (Bild 19) entstehen Schwielen und Schmerzen auf der Zehenstreckseite in Höhe der Zehenmittelgelenke, bei Hammerzehen kommt es zu Schmerzen am Ende des Endgliedes (Bild 19).

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Bild 19

Beim Krallenzeh ist eine konservative Therapie nur insofern möglich, als man kleine Polster an den Druckstellen anlegt und weites Schuhwerk verwenden sollte. Durch einen kleinen Eingriff können allerdings die Fehlstellung und damit die Schmerzen meist beseitigt werden. Hierbei wird die Form des Zehs verändert, indem das Mittelgelenk entweder entfernt oder in funktionsgerechter Stellung versteift (Bild 20) wird. Beim Hammerzeh kann der Versuch einer Weichpolsterung der Schuhsohle im Bereich der Druckschwiele gemacht werden. Bei fortbestehenden Beschwerden muss auch hier chirurgisch behandelt werden, indem das Endgelenk versteift wird (Bild 21).

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Bild 20
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Bild 21

Hallux valgus

Ebenfalls Folge des Spreizfußes ist der Hallux valgus (sog. X-Zeh). Hierbei kann es zu Schmerzen am „Großzehenballen“ kommen, der genau betrachtet dem nach innen vorspringenden Mittelfußköpfchen des Großzehs entspricht (Bild 23). Eine konservative Therapie ist hier nicht erfolgversprechend. Bestehen beim Hallux valgus Schmerzen am Großzehenballen, ist eine OP sehr aussichtsreich. Hierbei muss die Fehlstellung des Mittelfußknochens des Großzehs beseitigt werden. Es gibt hierzu eine große Zahl an Operationsverfahren. Die von mir bevorzugte Methode, mit der ich auch ausgeprägte Fehlstellungen korrigiere, ist in Bild 22 zu sehen. Wenn allerdings nur geringe oder keine Schmerzen vorliegen, halte ich eine operative Korrektur für bedenklich. Gelegentlich kommt es nämlich nach einer solchen Operation zu geringen Beschwerden, weshalb der Patient trotz eines vielleicht guten kosmetischen Korrekturergebnisses unzufrieden ist.

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Bild 22
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Bild 23

Der Rheumafuß

Fußveränderungen bei der rheumatoiden Arthritis sind häufig und betreffen besonders den Vorfuß. Man spricht auch von der rheumatischen Vorfußdeformität, die gekennzeichnet ist durch sehr schmerzhafte Schwielen in Höhe der Mittelfußköpfchen an der Fußsohle. Grund hierfür ist die Zerstörung der Zehengrundgelenke, wodurch die Grundglieder aus dem Gelenkverband herausrutschen und die Mittelfußköpfchen nach unten treten. Außerdem verschieben sich die Zehen nach außen (Bild 24 u. 25). Damit verbunden ist immer ein ausgeprägter Spreizfuß und ein Hallux valgus. Beim Versuch einer konservativen Behandlung kann ein orthopädischer Schuh Linderung bringen. Sehr viel wirkungsvoller ist jedoch die operative Therapie, wobei die Köpfchen der Mittelfußknochen entfernt werden (Bild 25) und zusätzlich Korrekturen im Weichteilgewebe durchgeführt werden müssen. Die Schmerzen lassen sich dadurch mit hoher Erfolgschance beseitigen.

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Bild 24
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Bild 25

Der Fersensporn

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Bild 26

Die im Zusammenhang mit dem Fersensporn auftretenden Schmerzen (im Fußsohlenbereich der Ferse) sind häufig. Es fragt sich aber, ob der Fersensporn die eigentliche Schmerzursache ist. Sehr häufig kommt es nämlich auch zu Schmerzen in dem genannten Bereich durch eine chronische Reizung im Ansatzbereich der fußsohlenseitig verlaufenden Sehnenplatte (Bild 26), ohne dass ein Fersensporn vorhanden ist. Andererseits ist bekannt, dass es bei chronischen Reizungen des Knochens zu Spornbildungen kommen kann. Also ist der Fersensporn eher Folge als Ursache der Reizung.

Die Therapie besteht vorwiegend darin, die Ferse zu entlasten. Dies gelingt mit weichgepolsterten Einlagen und durch Verwenden von Schuhen, die mit weichen Absätzen versehen sind.

Bleiben die Beschwerden bestehen, kommen folgende Behandlungen in Betracht:

  • Entzündungsbestrahlung (Röntgenreizbestrahlung)
  • Stoßwellentherapie
  • Injektion in den Schmerzbereich mit Cortison

Orthopädie-Schuhtechnik

Der Orthopädie-Schuhtechniker muss das Schusterhandwerk beherrschen und zudem imstande sein, eine Vielzahl spezieller, individuell angefertigter Zurichtungen zur Behandlung der unterschiedlichsten Probleme am Fuß zu fertigen. Hierzu gehören Einlagen, Abrollhilfen und andere Veränderungen an der Schuhsohle, die Fertigung orthopädischer Schuhe usw. Ich arbeite in meiner Praxis eng mit dem äußerst erfahrenen Orthopädie-Schuhmachermeister, Herrn Martin Gerhold, zusammen, der Inhaber des Fachbetriebs Wittling ist. Die Zusammenarbeit besteht in wöchentlichen Besprechungen hinsichtlich spezieller Verordnungen und darin, die Funktion der angefertigten Hilfsmittel zu überprüfen, um so die für meine Patienten optimale Versorgung zu erreichen.