Wann kommt eine Knie-Endoprothese in Betracht? Endoprothesentypen, Abläufe im Zusammenhang mit einer Op

Überlegungen und Maßnahmen vor einer Endoprothesen-Op

Der Gelenkersatz ist, wenn er handwerklich gut durchgeführt wird, eine sehr "solide" und sehr erfolgversprechende Therapie. Er ist aber auch eine endgültige Maßnahme, d.h. das eigene Gelenk ist - je nach Umfang des Eingriffs - teilweise oder vollständig verloren und wenn der Erfolg ausbleibt, was selten aber möglich ist, kann eine sehr unbefriedigende Situation entstehen. Welche Risiken im Rahmen einer Endoprotheseoperation möglich sind, erfahren Sie im Abschnitt Endoprothetik (Risiken der Endoprothetik).

Ich kann daher nur jedem Patienten mit einer Arthrose des Kniegelenks empfehlen, sich eingehend beraten zu lassen und alle konservativen, d.h. nicht operativen, Therapiemöglichkeiten auszuschöpfen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie nachhaltig wirksam auch konservative Behandlungen sein können und ich sehe immer wieder Patienten, denen eine Endoprothesenoperation nahegelegt wurde und die nach einer konservativen Therapie keine nennenswerten Schmerzen mehr haben und sich dann natürlich nicht operieren lassen.

Wenn nun konservative Behandlungen nicht helfen und anhaltend starke Schmerzen bestehen, sollte zunächst geprüft werden, wo genau die Arthrose besteht (innen, außen, hinter der Kniescheibe), so dass möglicherweise auch eine gelenkerhaltende Operation in Form der Korrektur der Beinachse vorgenommen werden kann (s. Korrektur der Beinachse).

Die Art der Gonarthrose sollte den Typ der Knieprothese bestimmen

Wenn schon der Gelenkersatz unausweichlich erscheint, dann besteht immerhin die Aussicht, den Eingriff so klein wie möglich zu halten. D. h. wenn nur ein Knieanteil beschädigt ist, muß auch nur dieser Teil durch eine Endoprothese ersetzt werden. Dies gilt insbesondere für die Rückfläche der Kniescheibe (Retropatellarprothese, s. unten) und den inneren Knieanteil (Schlittenprothese, s. unten). Auch der äußere Knieanteil kann selektiv ersetzt werden, was jedoch längst nicht so erfolgversprechend ist wie die Verwendung einer innenseitigen Schlittenprothese. Allerdings ist die außenseitige Gonartrose (Valgusgonarthrose) auch seltener als die innere (Varusgonarthrose).

Das gesamte Behandlungssprektrum, das bei der Kniegelenksarthrose angewendet werden kann, habe ich einem kürzlich veröffentlichten Artikel knapp zusammengefaßt.

Die Schlittenprothese

Die einseitige, besonders die innenseitige Arthrose des Kniegelenks ist sehr häufig. Viele Kliniken setzen dann eine Vollprothese (Totalendoprothese=TEP in Form einer Oberflächenprothese ein, weil sie in den Teilersatz durch eine Schlittenprothese kein Vertrauen haben. Die Qualität der Schlittenprothesen hat sich in den letzten Jahren jedoch erheblich verbessert, so dass auch die Haltbarkeit der Schlittenprothesen sehr gut ist (gernaueres s. unten). Ein wesentlicher Vorteil einer Schlittenprothese gegenüber einer Vollprothese besteht darin, dass die Operationsbelastung für das Knie wesentlich geringer ist und die Erholung damit schneller vonstatten geht.

 

 

Varusongarthrose-Ro
Bild 1: Arthrose des inneren Knieanteils (Varusgonarthrose): der Gelenkspalt und damit der Knorpel ist völlig aufgebraucht
Schlitten-im-Knochenmodell
Bild 2: Modell einer Schlittenprothese; oben ist die aus Metall gefertigte Kufe, unten das Plateau (besteht aus einer Kontaktfläche aus Polyäthylen und einem metallenen Anteil, der im Schienbeinkopf verankert wird)
Schlitten-Ro
Bild 3: Positionierung der Schlittenprothese im Knochen

Isolierter Gelenkersatz der Kniescheibenrückfläche und des -gleitlagers (Retropatellarprothese)

Häufig kommt es am Kniegelenk zu einer isolierten Arthrose zwischen Kniescheibe und dem Kniescheibengleitlager (Bild 4). Da in solchen Fällen die übrigen Knieanteile oft noch intakt sind, macht es Sinn, nur den geschädigten Bereich durch eine spezielle Endoprothese zu ersetzen (Bild 5 und Bild 6). Auch hier wird von vielen Operateuren das Kniegelenk gerne vollständig ersetzt. Die Vorteile des isolierten Kniescheibenrückflächenersatzeses sind denen einer Schlittenprothese vergleichbar.

Bild-20 01
Bild 4: Röntgenbild einer Arthrose zwischen Kniescheibe und -gleitlager (Retropatellararthrose)
Bild-21 01
Bild 5: Modell einer Teilendoprothese für das Kniescheibengleitlager (Retropatellararthrose); die künstliche Rückfläche der Kn.scheibe besteht aus Polyäthylen, das Gleitlager aus Metall
Bild-22 01
Bild 6: Rö.bild einer Retropatellarprothese

Totalendoprothese (TEP) in Form des Oberflächenersatzes

Sind die Gelenkflächen im inneren und äußeren Anteil des Kniegelenks arthrosegeschädigt (Bild 7), kommt der Erstaz des gesamten Kniegelenks in Betracht. Hier gibt es die Möglichkeit, nur die Oberflächen des Kniegelenks zu ersetzen. Man spricht dann von einem Oberflächenersatz (Bild 8 und 9). Bei einem solchen Eingriff bleiben die Seitenbänder des Gelenks erhalten. Die Kreuzbänder werden in der Regel entfernt, was jedoch nicht zu einer Instabilität führt. Das Gleitlager der Kniescheibe wird bei der Oberflächenprothese immer ersetzt, nicht jedoch die Rückfläche der Kniescheibe.  

Gonarthrose -Panrthr. -Ro
Bild 7: Rö.bild mit Arthrose des inneren und äußeren Gelenkanteils
LPS-Proth
Bild 8: sog. Oberflächenprothese; diese ersetzt nur die Gelenkflächen und in der Regel die Kreuzbänder. Die Seitenbänder bleiben erhalten
LPS-Roe
Bild 9: Rö.bild bei einliegender Oberlächenprothese. Die Prothese ist mit Kochenzement fixiert.

Achsengeführte Prothese bei schwerer Gonarthrose mit erheblicher Fehlstellung

Besteht eine massive Achsenfehlstellung (Bild 10 und 11) bei einer Arthrose des gesamten Kniegelenks, kommt eine Totalendoprothese in Betracht, die eine künstliche Achse enthält und die mit Hilfe langer Schäfte im Knochen verankert wird (Abb. 12). Diese TEP wird als Achsstielprothese bezeichnet und bietet neben der Möglichkeit der Korrektur einer extremen Fehlstellung des Beins die Voraussetzung optimaler Stabilität. Die Erfolgschancen bei einer solchen Endoprothese sind besonders gut. Man verwendet sie aber nur, wenn extreme Situationen bestehen.

Gonarthrose-schwer-Roe
Bild 10: Rö.bild mit schwerer Gonarthrose und Achsenfehlstellung
Gonarthrose-schwer -Klinik
Bild 11: ausgeprägte Achsenfehlstellung bei massiver Gonarthrose
RHK-solo-und-im-Knochen
Bild 12: achsengeführte Knie-TEP, mit der die Fehlstellung ausgeglichen und stabil gehalten werden kann
Gonarthrose -schwer -nach-T
Bild 13: Behandlungsergebnis nach Einbau einer achsengeführten TEP
RHK-im-Roe
Bild 14: Rö.bild einer achsengeführten TEP

Befestigung von Knie-Endoprothesen im Knochen

Anders als bei Hüft-Endoprothesen werden die Prothesen am Knie überwiegend mit Knochenzement befestigt. Genaueres zur Fixierung von Knie-Endoprothesen finden Sie im Abschnitt Befestigung von Endoprothesen.

Wie sind die Abläufe im Zusammenhang mit dem Gelenkersatz?

Die Operation führe ich in der Paracelsus-Klinik Henstedt Ulzburg durch. Dort betreue ich Sie auch persönlich, indem ich mich um alle Details kümmere, einschließlich täglicher Visiten. Sie bleiben zwischen einer und zwei Wochen in der Klinik. Unser Entlassungsmanagement organisiert dann weitere Maßnahmen, die in der Regel in  einer stationären "Anschlußheilbehandlung" in einer Reha-Klinik erfolgen und meist drei Wochen dauern. Wenn Sie es wünschen, ist auch eine ambulante Weiterbehandlung einem ambulanten Reha-Zentrum möglich. Im Anschluß an diese Therapie kommen Sie zu weiteren Untersuchungen in meine Praxis. Oft ist noch eine weitere krankengymnastische Therapie sinnvoll, die ich Ihnen verordne. Besonders wichtig sind weitere Kontrolluntersuchungen, die ich auch Monate und Jahre nach einer Endoprothesenoperation empfehle und durchführe.

Wann können Sie das operierte Kniegelenk wieder belasten?

Grundsätzlich können Sie das Kniegelenk sofort nach der Operation voll belasten, da die Endoprothese mit Knochenzement stabil verankert ist. Die operationsbe- dingten Schmerzen bilden sich in der Regel erst im Laufe von mehreren Wochen soweit zurück, dass Sie auf Gehstützen verzichten können. Bis Sie das Kniege- lenk wieder normal „einsetzen“, vergehen nicht selten 6 Monate.

Wie haltbar ist eine Knie-Endoprothese?

Die Meinung, das künstliche Gelenk würde etwa 15 Jahre halten, ist sehr verbreitet aber glücklicherweise nicht richtig. Es gibt sehr zuverlässige Statistiken (die umfangreichsten stammen aus Schweden), die folgende Ergebnisse ergracht haben: 10 Jahre nach der Operation sind noch ca. 96 Prozent der Knietotal- endoprothesen und 90 Prozent der Schlittenprothesen fest. 20 Jahre nach der Operation liegen die Werte bei 92 respektive 82 Prozent (s. auch Haltbarkeit von Endoprothesen).