normale und krankhafte Kniestatik und deren Korrekturmöglichkeit

Besteht eine Fehlstellung, insbesondere ein O-Bein oder ein X-Bein, kommt es aufgrund einer Überlastung des inneren bzw. äußeren Kniegelenkanteils häufig zur Knorpelschädigung (Bild 16 zeigt die Veränderungen bei einem O-Bein). Es entsteht eine „Varusgonarthrose“ bei einem O-Bein und eine "Valgusgonarthrose" bei einem X-Bein. Um das Prinzip der Behandlung verständlich zu machen, zeige ich Ihnen beispielhaft die Verhältnisse bei einem O-Bein (Bild 15) im Vergleich zu einem Bein mit normaler Stellung (Bild 14). Eine elementare orthopädische Behandlung eines solchen Schadens besteht darin, die Beinachse zu korrigieren, was die Schmerzen beseitigt, das Gelenk aber erhält. Hierzu wird das Schienbein durchtrennt, nach außen geklappt und mit einer speziellen Platte wieder zusammengefügt. Diese Technik wird als valgisierende Tibiakopfososteotomie (Umstellungsoperation am Schienbein in X-Richtung) bezeichnet. Es kommt dadurch zur Entlastung des inneren Kniebereichs durch Verschiebung der Traglinie nach außen, die Schmerzen verschwinden (Bild 17). In ähnlicher Weise geht man vor, wenn eine Arthrose auf der Knieaußenseite besteht (Valgus- oder X-Beinarthrose). Eine solche Operation kommt bei Patienten in Betracht, die dem künstlichen Ersatz des Gelenks ablehnend gegenüberstehen. Es sind dies in der Regel jüngere Patienten.

Bild 14: Schema der Statik eines normalen Beins. Die rot gezeichnete Linie ist die sogenannte Traglinie, entlang derer sich die Kraft auf das Kniegelenk überträgt. Diese Traglinie verläuft hier durch die Mitte des Kniegelenks, was bedeutet, dass innerer und äußerer Knieanteil gleich stark belastet werden.
Bild 15: Statik eines O-Beins. Die Traglinie ist weit nach innen verschoben. Daraus wird verständlich, dass die Belastung des Kniegelenks auf der Innenseite massiv erhöht ist und somit der Gelenkknorpel auf der Innenseite des Knies schneller verschleißt.
Bild 16: Röntgenbild einer typischen Varusgonarthrose. Der Knorpel im inneren Kniebereich ist völlig abgerieben, weshalb auch kein Gelenkspalt mehr erkennbar ist.
Bild 17: Röntgenbild nach Umstellung des Schienbeinknochens. Man sieht, dass der Gelenkspalt auf der Knieinnenseite im Vergleich zum Röntgenbild vor der Operation deutllich breiter geworden ist. Dies ist das Ergebnis der Entlastung. Der Knorpel kann sich in diesem Bereich wieder aufbauen.

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Bild 14: Schema der Statik eines normalen Beins. Genaueres siehe Text oben.
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Bild 15: verschobene Traglinie bei schwerer O-Beinarthrose
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Bild 16: Röntgenbild der O-Beinarthrose (Varusgonarthrose)
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Bild 17: Röntgenbild nach operativer Korrektur der Beinachse